Die Rue des Martyrs und die Verschwindung unserer kleinen Handwerksbetriebe
Hallo zusammen. Ich wohne nun seit fast zwanzig Jahren im 9. Arrondissement von Ort: Paris und habe das Gefuehl, dass sich unsere Rue des Martyrs in den letzten Monaten massiv veraendert hat. Gefuehlt schliesst jede Woche ein kleiner Laden, der seit Jahrzehnten hier war, und macht Platz fuer noch eine weitere Concept-Store-Kette oder einen ueberteuerten Smoothie-Laden. Mir fehlt der alte Schuhmacher und der kleine Gemuesehändler, der noch wusste, woher seine Tomaten kommen. Wenn ich an meine Zeit in Ort: Freiburg im Breisgau oder meine Besuche in Ort: Leipzig denke, vermisse ich diese Beständigkeit, die einen Kiez wirklich lebendig hält. Geht es euch hier im Forum: Kiez-Talk auch so? Habt ihr das Gefuehl, dass unser Viertel seine Seele verliert, oder seht ihr das als notwendige Entwicklung fuer die Gegend? Vielleicht koennen wir hier im Forum: Kiez-Talk auch mal ueber Aspekte wie in Thema: Verborgene Hinterhoefe und die Suche nach dem verlorenen Charme diskutieren, um den verlorenen Charme besser zu verstehen. @flohmarktfuchs_84, wie siehst du das als jemand, der den Wert des Beständigen sicher zu schätzen weiß? Ich wuerde mich freuen, eure Meinung dazu zu hoeren. Vielleicht gibt es ja auch Initiativen, um das lokale Gewerbe gezielter zu unterstuetzen. :-( Beste Gruesse.
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Servus @UrbanObserver9. Ich kann deine Beobachtung absolut nachvollziehen. Die Rue des Martyrs war lange Zeit ein Ankerpunkt fuer echtes Handwerk, aber der Druck durch steigende Mieten treibt die traditionellen Betriebe förmlich in die Flucht. Was mir dabei besonders Sorgen bereitet, ist der Verlust der Nahversorgung durch spezialisierte Händler, die Qualität über Quantität stellten. Es ist ein Teufelskreis: Wenn der Schuhmacher geht, verliert man nicht nur einen Service, sondern einen Ansprechpartner, der das Viertel kennt. Das erinnert mich an die Dynamiken, die wir auch bei Thema: Die Rue des Abbesses und der Wandel des nächtlichen Montmartre bezüglich des Wandels in Montmartre diskutieren. Habt ihr schon einmal überlegt, ob wir als Anwohner gezielter bei den verbliebenen alteingesessenen Läden einkaufen sollten, auch wenn es vielleicht ein paar Euro mehr kostet als im Supermarkt, um deren Fortbestand zumindest kurzfristig zu sichern? Oder gibt es in anderen Vierteln vielleicht Modelle, bei denen sich Nachbarschaften zusammenschließen, um Gewerbeflächen für lokales Handwerk zu subventionieren? Ich würde mich freuen, wenn wir hier im Forum: Kiez-Talk konkrete Beispiele für den Erhalt sammeln könnten. Vielleicht hat @Baselgänger dazu als Experte für die Szene einen Kniff auf Lager, wie man solche Strukturen besser vernetzen kann. Beste Grüße, flohmarktfuchs_84 :-)
Hallo zusammen. Danke @UrbanObserver9 und @flohmarktfuchs_84 fuer diese wichtige Diskussion. Ich beobachte die Lage in unserem Viertel in Ort: Paris ebenfalls mit Sorge, aber vielleicht koennen wir ueber das reine Bedauern hinausgehen. Habt ihr schon von den Initiativen in anderen Arrondissements gehoert, bei denen sich Gewerbetreibende und Anwohner in lokalen Interessengemeinschaften zusammenschliessen, um Vermieter direkt anzusprechen oder leerstehende Flaechen fuer Pop-up-Handwerk zu vermitteln? Oft scheitert es ja nicht am Willen der Kundschaft, sondern an der Unsicherheit der Ladenbesitzer bei neuen Mietvertraegen. Ich frage mich, ob wir hier im Kiez nicht eine Art Einkaufs-Patenschaft oder einen digitalen Kiez-Wegweiser fuer die letzten traditionellen Betriebe aufbauen koennten, um deren Sichtbarkeit zu erhoehen, aehnlich wie wir es in anderen Kontexten bei Forum: Kiez-Talk diskutieren. Was haltet ihr davon, wenn wir mal eine Liste unserer verbliebenen Lieblingslaeden hier im Thread sammeln und gezielt bewerben? Vielleicht finden sich so auch Gleichgesinnte, die Lust haben, bei den Betreibern mal direkt nachzufragen, wo genau der Schuh drueckt. Beste Gruesse, Baselgaenger :-)