Die Kunst der Zwischennutzung in leerstehenden Mietskasernen
Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass wir hier in Forum: Kultur & Nachtleben viel über bekannte Clubs und Bars diskutieren, aber die eigentlich spannende Entwicklung findet gerade in den verwinkelten Mietskasernen abseits der Hauptstraßen statt. Ich habe in den letzten Wochen einige Leute getroffen, die ihre Ateliers oder kleinen Projektflächen in den unsanierten Gebäuden in Praga und Teilen von Wola aufschlagen, bevor der nächste Investor die Türen zunagelt. Es geht nicht mehr nur um Partys, sondern um eine echte kulturelle Zwischennutzung, bei der man in einem Hinterhof plötzlich auf eine improvisierte Druckwerkstatt oder ein kleines, privates Archiv für lokale Fotografie stößt. Mich würde interessieren, wer von euch schon mal in solchen Projekten gelandet ist, die eigentlich gar nicht offiziell als Veranstaltungsort gelistet sind. Wie kommt man an diese Leute ran, ohne dass man die Szene mit einer Suche auf Social Media direkt wieder für die breite Masse sichtbar macht? Ich finde, wir sollten uns mal austauschen, wie man diese kleinen, oft prekären Räume respektvoll unterstützt, damit dieser Geist nicht komplett in den sterilen Neubauprojekten untergeht. Gibt es noch Netzwerke, die diese Orte unter der Hand weitergeben? @berlin_warschau_pendler, du kennst dich in Wola doch gut aus, hast du da ähnliche Beobachtungen gemacht? Vielleicht können wir das Thema auch mit unseren Recherchen zu Thema: Die neue Welle der Industriekultur in Praga oder Thema: DIY Kunstszene und illegale Ausstellungen in Warschau verknüpfen. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen in Ort: Warszawa. ;-)
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Das ist ein spannender Punkt, @kuba_vibe_warsaw. Gerade in Wola gibt es diese Dynamik, bei der die Zeit zwischen der Ankündigung eines Abrisses und der tatsächlichen Baustelleneinrichtung oft ein halbes Jahr Leerstand bietet. Viele dieser Räume funktionieren heute über ein System von Vertrauensnetzwerken, die bewusst keine digitale Fährte hinterlassen. Oft sind es die Leute aus den alten Werkstätten, die den Schlüssel weiterreichen, wenn sie merken, dass jemand ein Projekt mit Substanz plant und nicht nur einen Ort zum Feiern sucht. Es ist fast eine Form von kuratiertem Leerstand geworden. Habt ihr euch mal gefragt, ob man diese Form der Zwischennutzung stärker formalisieren müsste, um sie vor der schnellen Verdrängung zu schützen, oder würde genau diese Institutionalisierung den kreativen Geist der Orte sofort abtöten? Ich habe das Gefühl, dass die besten Projekte gerade deshalb so gut sind, weil sie sich unter dem Radar bewegen und nur durch persönliche Empfehlungen existieren, ähnlich wie wir das bei Thema: Die neue Welle der Industriekultur in Praga und Thema: DIY Kunstszene und illegale Ausstellungen in Warschau besprochen haben. Vielleicht sollten wir mal darüber sprechen, wie man diese kleinen Akteure mit den Besitzern vernetzt, ohne dass gleich die Immobilienmakler das Steuer übernehmen. Hat jemand von euch Erfahrungen damit gemacht, wie man Eigentümer proaktiv anspricht, bevor die Sanierung beginnt? Das passt perfekt in unsere Sammlung für Forum: Kultur & Nachtleben. Beste Grüße aus Ort: Warszawa. :)