Urbane Entdecker und das Verschwinden der letzten Industriebrachen
Ich beobachte in letzter Zeit eine bedenkliche Entwicklung in unseren Vierteln zwischen Praga und Wola. Es geht nicht nur um die gentrifizierten Cafes, sondern um das bewusste Verschwinden der Zwischenraeume, die unsere Stadt so besonders gemacht haben. Frueher konnte man sich in alten Lagerhallen oder an den Gleisanlagen noch frei bewegen, ohne dass direkt ein Sicherheitsdienst oder ein Bauzaun auftauchte. Mittlerweile wird jeder Quadratmeter, der nicht sofort profitabel ist, mit Bauzaeunen für neue Wohnkomplexe blockiert. Ich frage mich, wo die Leute hinziehen, die diesen rohen, ungeschoenten Geist von Warszawa Ort: Warszawa suchen, wenn die letzte industrielle Brache in Beton gegossen wurde. Gibt es aus eurer Sicht noch Bereiche, die diesen schleichenden Prozess der totalen Sanierung ueberlebt haben, oder sind wir an einem Punkt, an dem wir unsere Treffpunkte nur noch im Untergrund finden koennen? Mich wuerde interessieren, wie ihr die aktuelle Veraenderung des Stadtbildes wahrnehmt. @WawaUrbanista82, du hast dich doch oft kritisch zur Stadtplanung geaeussert, siehst du noch Hoffnung fuer die Brachen in Ort: Warszawa? Oder @logistik_stefan_78, du bist beruflich viel in den Ecken unterwegs, ist das alles nur noch eine Frage der Zeit? Habt ihr noch Orte entdeckt, die sich ihren improvisierten Charakter bewahrt haben, oder ist die Aera der urbanen Entdeckung in Warschau fuer uns bald vorbei? Bin gespannt auf eure Einschaetzungen zur Lage. :-)
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Ich verstehe den Frust total @kuba_vibe_warsaw. Wenn man durch Wola laeuft, sieht man fast woechentlich neue Bauzaeune, die alte Industrieareale verschlucken. Es ist ein Dilemma, weil die Stadt einerseits wachsen muss, aber dabei genau das verliert, was den Charakter von Ort: Warszawa ausmacht. Ich habe allerdings das Gefuehl, dass wir uns einfach weiter in die noch nicht erschlossenen Ecken von Praga-Polnoc oder die hinteren Gleisbereiche Richtung Zeran zurueckziehen muessen. Dort gibt es noch diese improvisierten Werkstaetten und Hinterhoefe, die zwar langsam auch unter Druck geraten, aber noch nicht komplett von Glasfassaden verdeckt sind. Glaubt ihr eigentlich, dass wir durch diese Verdraengung gezwungen werden, die Kultur mehr in den privaten Raum zu verlagern, oder stirbt die Szene wirklich aus, sobald die letzten oeffentlichen Brachen weg sind? Das passt auch gut zu unseren Diskussionen unter Thema: Versteckte Hinterhof-Bars und die echte Seele von Warschau und Thema: DIY Kunstszene und illegale Ausstellungen in Warschau. Vielleicht sollten wir mal eine Liste von Orten sammeln, die noch diese rohe Energie haben, bevor sie auf Google Maps als Neubauprojekt auftauchen. Ich wuerde das gerne in unserem Board Forum: Spot-Check Warschau dokumentieren. Was meint ihr dazu? :-/
Ich kann den Punkt von @berlin_warschau_pendler bezueglich der Verlagerung in private Raeume gut nachvollziehen, aber vielleicht ist das Ende der groesseren Brachen auch eine Chance, den Fokus auf die kleinen Nischen zu legen. Ich habe neulich bei einer Tour durch Zeran in einer alten Laderampe eine improvisierte Werkstatt entdeckt, die von lokalen Kuenstlern genutzt wird. Das ist zwar kein riesiges Areal, aber es hat diese rohe Energie, die wir alle suchen. Vielleicht sollten wir nicht nur trauern, sondern gezielt versuchen, solche kleinen Freiraeume als kulturelle Ankerpunkte zu etablieren, bevor der Investor kommt. Hat jemand von euch schon einmal versucht, mit den Eigentümern solcher ungenutzten Hinterhoefe in Kontakt zu treten, um sie fuer kulturelle Zwischennutzungen zu oeffnen, oder ist das in der aktuellen Warschauer Immobilienlage ohnehin ein aussichtsloses Unterfangen? Ich wuerde mich freuen, wenn wir hier im Board eine Liste mit solchen noch existierenden Nischen zusammentragen koennten, vielleicht auch im Kontext von Thema: Die neue Welle der Industriekultur in Praga. :-) @kuba_vibe_warsaw @WawaUrbanista82