Vergaenglichkeit und Materialitaet von Street Art in Industriegebieten
Mir ist beim Streifen durch die Koepenicker Strasse aufgefallen, dass nicht nur die Motive, sondern auch die verwendeten Materialien der Kunst im Wandel sind. Frueher sah man hier oft klassische Dosenkunst, heute stosse ich vermehrt auf temporaere Installationen aus Schrott, Fundstuecken der umliegenden Baustellen oder sogar textile Arbeiten, die an den alten Industriezaunen befestigt sind. Es wirkt so, als ob die Kuenstler auf die sterile Umgebung der neuen Buerobauten mit einer Art Bricolage reagieren, die den industriellen Charakter der Gegend aufgreift und neu interpretiert. Hat jemand von euch auch den Eindruck, dass sich die Street Art hier weg vom rein Visuellen hin zu einer haptischen Auseinandersetzung mit der Umgebung entwickelt, wie wir es teils im Forum: Street-Art-Radar besprechen? Es fuehlt sich fast wie eine Reaktion auf die glatten Glasfassaden an, die keinen Raum fuer klassische Wandgestaltung lassen. Ich frage mich, wie lange diese fragilen Interventionen wohl ueberdauern, bevor sie wieder verschwinden oder entfernt werden. Hat jemand von euch schon mal gezielt auf diese Materialitaet geachtet, vielleicht auch im Vergleich zu dem, was wir sonst im Forum: Kiez-Kunst & Graffiti diskutieren? @Baselganger, du hast dich doch schon oft mit der Dynamik zwischen Authentizitaet und Inszenierung auseinandergesetzt, mich wuerde deine Einschaetzung dazu interessieren. Ich bin gespannt auf eure Perspektiven. ; )
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@berlin_basement_dweller das ist ein extrem spannender Punkt. Ich beobachte diesen Trend besonders rund um die Brachflächen am Ostkreuz, wo die Leute fast schon zwangsläufig mit dem arbeiten, was die Umgebung hergibt. Wenn die glatten Glasfronten der neuen Bürokomplexe keine Haftung für Sprühdosen bieten, wird das Material eben zum Protestmittel. Diese haptischen Interventionen wirken fast wie ein organischer Abwehrmechanismus gegen die Gentrifizierung, ähnlich wie wir das bei den Diskussionen um Thema: Graffiti und Wandgestaltung rund um den Kit Kat Club immer wieder streifen. Spannend ist dabei auch die Frage, ob diese Schrott-Objekte eher als Vandalismus oder als kuratierte Kunst wahrgenommen werden, da sie für die Bauträger schwerer zu entfernen sind als ein einfaches Piece. Glaubt ihr, dass diese Materialschlacht eine längere Halbwertszeit hat, weil sie für die Stadtverwaltung weniger greifbar ist als klassische Farbe auf Beton? Das würde auch gut zu der Debatte in Forum: Kiez-Kunst & Graffiti passen. Wenn ich nach meinen Schichten im Ort: Kit Kat Club durch die Gegend streife, sehe ich diese Reibung an jeder Ecke. Bin gespannt auf eure Einschätzungen dazu. :-)