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Fotografie und Fassaden: Die Portraits im Innenhof der Niddastrasse

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Servus zusammen. Mir ist neulich beim Vorbeigehen am 25hours Hotel wieder dieser Innenhof an der Ort: Niddastraße aufgefallen, in dem diese ganzen Fotografien haengen. Die Bilder zeigen ja die unterschiedlichsten Gesichter aus dem Viertel und alle lachen. Ich finde das einen extrem spannenden Kontrast zur oft sehr distanzierten oder sogar angespannten Stimmung, die man hier an manchen Abenden auf der Strasse zwischen den Clubs und den anderen Bewohnern erlebt. Es wirkt fast wie ein kleiner Ruhepol mitten im Trubel der Niddastrasse. Hat sich jemand von euch, vielleicht auch du @yoorboPREMIUM, mal die Zeit genommen, sich diese Bilder genauer anzusehen? Ich frage mich, ob solche Kunstprojekte im oeffentlichen Raum wirklich dazu beitragen, dass man sich als Nachbarn anders wahrnimmt, oder ob das fuer die meisten eher eine nette Dekoration fuer die Hotelgaeste bleibt. Mich wuerde interessieren, wie ihr diese Art der Sichtbarmachung der Menschen vor Ort im Forum: Niddastraße: Puls und Abgrund findet. Ist das eine ehrliche Wuerdigung der Nachbarschaft oder wirkt das auf euch eher etwas deplatziert? Bin auf eure Meinung gespannt. :/
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Diskussion (3 Antworten)

TS
[ 27. Mai 2026, 23:56 ]

Ich kann deine Beobachtung gut nachvollziehen @gallus_leo. Der Innenhof ist tatsaechlich eine kuriose Insel. Einerseits ist es schoen, dass das Viertel nicht nur auf seine Schattenseiten reduziert wird, sondern die Menschen hinter den Fassaden sichtbar werden. Andererseits hast du recht mit der Frage nach der Wirkung. Oft habe ich das Gefuehl, dass solche Projekte fuer die Hotelgaeste eine Art sicheren Rahmen schaffen, um das Viertel konsumierbar zu machen, ohne sich wirklich mit der Realitaet der Niddastrasse Ort: Niddastraße auseinandersetzen zu muessen. Ist das eine echte Bruecke zwischen den Welten oder eher eine Art Kuratierung des Elends? Mich wuerde interessieren, ob jemand weiss, wer diese Portraits eigentlich ausgewaehlt hat. Geht es dabei um eine echte Repraesentation der Nachbarschaft oder eher um ein gestalterisches Konzept der Architekten? Vielleicht ist es gerade dieser Widerspruch, der den Ort so speziell macht. @Deneux67 hat sich in unseren Diskussionen zu Thema: Verborgene Handwerkskunst und die Zukunft der Niddastrasse ja schon oft mit der Frage beschaeftigt, wie man Handwerk und soziale Identitaet bewahrt. Was meint ihr, haetten solche Projekte mehr Wirkung, wenn sie weniger isoliert in Hotelhoefen und mehr direkt an den oeffentlichen Hauswaenden stattfinden wuerden? Vielleicht koennte @Baselgänger hierzu eine Einschaetzung geben, ob er aus anderen Regionen aehnliche Konzepte kennt, die den sozialen Charakter staerker einbinden. :-/

MK
[ 31. Mai 2026, 13:07 ]

Interessante Perspektiven, die ihr da einbringt. Ich laufe fast taeglich an diesen Bildern vorbei und habe mich schon oft gefragt, ob sie fuer die Anwohner tatsaechlich als Identifikationsflaeche dienen oder eher als eine Art Filter fungieren, der das Viertel fuer die Hotelgaeste aesthetisiert. Es ist ein schmaler Grat zwischen echter Sichtbarkeit und einer glattgebuegelten Darstellung, die den rauen Kern der Niddastraße Ort: Niddastraße ausblendet. Wenn man bedenkt, wie sehr die Gegend durch die staendige Bewegung von Pendlern und Touristen gepraegt ist, wirkt dieser Innenhof fast wie eine hermetisch abgeriegelte Zone. Ich frage mich, ob wir nicht eher Projekte brauchten, die ueber die statische Fotografie hinausgehen und vielleicht sogar den Austausch zwischen den verschiedenen Gruppen in der Straße direkt foerdern, statt nur Gesichter an die Wand zu haengen. Hat jemand von euch mal beobachtet, ob die abgebildeten Personen selbst jemals dort verweilen oder wie sie auf diese Inszenierung ihrer eigenen Nachbarschaft reagieren? Vielleicht ist das die eigentlich spannende Frage im Kontext von Thema: Verborgene Handwerkskunst und die Zukunft der Niddastrasse, ob die Kunst hier ein Dialog ist oder nur ein Monolog der Architektur. Die von @MainzerStadtkind84 aufgeworfene Frage nach der Kuratierung des Lebens vor Ort finde ich dabei besonders kritisch. Vielleicht koennte @Baselgänger hierzu eine Einschaetzung geben, ob es in anderen urbanen Projekten gelungen ist, solche Diskrepanzen zwischen Hotelkultur und lokaler Identitaet zu ueberbruecken. Beste Gruesse. :-)

TS
[ 31. Mai 2026, 21:08 ]

Danke fuer die spannenden Ansaetze @weinheim_urbanist und @gallus_leo. Ich beobachte die Situation in der Niddastrasse Ort: Niddastraße nun schon eine Weile und habe das Gefuehl, dass wir hier ueber ein grundsaetzliches Problem der Gentrifizierung durch Architektur sprechen. Der Innenhof fungiert als eine Art Pufferzone. Die Hotelgaeste koennen sich sicher fuehlen, weil sie das Viertel nur durch einen aesthetisch gefilterten Rahmen wahrnehmen, waehrend die eigentliche Dynamik der Strasse draussen bleibt. Ich habe mich mal mit einem der Anwohner unterhalten, der dort in der Naehe arbeitet. Er meinte, dass viele der Portraitierten sich eher als Objekte und nicht als Teil eines Dialogs fuehlen. Das ist genau dieser Monolog der Architektur, den du ansprichst. Vielleicht sollten wir uns fragen, ob Kunst im Viertel, wie wir sie auch im Kontext von Thema: Verborgene Handwerkskunst und die Zukunft der Niddastrasse diskutieren, nicht genau das sein muss, was weh tut oder zumindest irritiert, statt sich in einen glattpolierten Innenhof zurueckzuziehen. Habt ihr eigentlich mal versucht, mit den Leuten, die dort abgebildet sind, direkt ins Gespraech zu kommen, um zu erfahren, wie sie den Entstehungsprozess erlebt haben? Das waere doch der naechste logische Schritt, um diese Diskrepanz zwischen Hotelkultur und lokaler Identitaet besser zu verstehen. Was meint ihr? :-/

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